Island Tag 3,5: Gottlose Uhrzeiten

Es ist 3:15 Uhr. Mein Wecker hat noch nicht geklingelt, aber ich bin trotzdem wach und hasse mich ein bisschen dafür. Das Thermometer zeigt -10 Grad, als ich in meinen Mietwagen steige und eine halbe Stunde lang in Richtung Autoverleih brettere. Die Abgabe verläuft zum Glück reibungslos, aber der junge Mitarbeiter ist definitiv auch nicht wacher als ich. Und jetzt darf er mich und ein paar andere Touris (natürlich wieder Deutsche, was auch sonst) auch noch zum Flughafen bringen.

Freundlicherweise hätte ich sogar die Wahl zwischen zwei Flügen nach Amsterdam gehabt – um 7:20 Uhr oder um 7:40 Uhr. Das ist doch mal toll.

Während ich hier sitze und auf meinen Flug warte, kann ich euch ja noch etwas über mein Airbnb erzählen.

Gebaut wurde das Haus in Hafnarfjörður 1944 von der isländischen Regierung als Wohnhaus für den damaligen Außenminister. Die Rauputz-Fassade, die damals bestimmt noch cool und modern war, würde ich heute wohlwollend als „sehr hässlich“ bezeichnen. Von innen hat das Ding (nebst einer unzuverlässigen Warmwasserversorgung und schlechter Isolierung) aber durchaus Charme.

Nach dem Außenminister haben dort ab 1965 der oberste Staatsrichter Islands und ab 1986 ein ehemaliger Pilot von Pan Am gewohnt. All diese Fakten habe ich aus einem gerahmten Text auf meinem Nachttisch, also könnten die durchaus auch frei erfunden sein. 

Zurück zum chronologischen Geschehen. Wir boarden auf meine liebste Art: President style, kein Tunnel.

Mein Flug ist so leer, dass ich statt meines Gangplatzes die coole Emergency-Exit-Reihe mit mehr Beinfreiheit angeboten bekomme und natürlich sofort zusage. Leider fällt dann das Flugzeug auseinander. Gut, nicht wirklich, aber neben mir ist eine Kabelabdeckung locker und das muss anscheinend noch vor dem Takeoff repariert werden. „Reparieren“ meint in diesem Fall, die Abdeckung mit so ein bisschen Klebeknete wieder an ihre vorgesehende Stelle zu pappen.

Männer in Arbeitsjacken reparieren Dinge, Teil 2
the culprit

Jetzt hätte man natürlich versuchen können, Schlaf nachzuholen. Aber von der begrenzten Menge an guten Sonnenaufgängen, die das Leben einem bietet, möchte ich gerne so viele mitnehmen wie möglich.

Ansonsten verlief die Rückreise gut und ereignislos, viel Spannendes gibt es da nicht mehr zu erzählen. Wir lesen uns im Debrief wieder ✌🏻

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Homeward Bound

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen