Island Tag 2: Eingefroren

Die Isländer lieben ihre Kreisverkehre. Ich finde die auch nicht schlecht, aber vielleicht habe ich sie noch nicht so richtig verstanden. Dieser Meinung war auch der SUV, der mich heute bei seinem Spurwechsel im Kreisverkehr fast seitlich gerammt hätte. Meiner Meinung nach hätte er das so oder so nicht gedurft.

Ab morgen wird der Berufsverkehr gemieden, aber heute musste ich pünktlich am Hafen von Reykjavík sein. Um 9:00 Uhr ging es raus aufs Wasser, um ein paar Walen das Publikum zu geben, nach dem sie sich schon lange sehnen.

Wie viele Mahlzeiten kann ich wohl durch Skyr ersetzen?
Und wie viele durch heiße Schokolade?

Unter den anderen Teilnehmern gab es mehrere Leute, die bei -10 Grad die ganze Zeit in verdammten Funktionsjacken neben mir auf dem Deck standen (@Jonas come collect your people). Währenddessen hatte ich zwei Leggings, zwei Wollpullover, eine Daunenweste unter meiner Winterjacke und zwei Paar Handschuhe übereinander an.

So findet ihr mich im nächsten Teams-Call

Gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Meine Zehen werden zwar nie wieder warm, aber sei‘s drum. Wir haben zwei Buckelwale und einige Seehunde (aka schwarze Punkte im Wasser) gesehen. Die beiden Buckelwale, von Natur aus eigentlich Einzelgänger, schwimmen hier wohl schon seit Jahren gemeinsam in der Bucht rum.

Am schönsten fand ich aber ehrlich gesagt, wie die Sonne sich langsam über den Bergen ausgebreitet hat. Dabei dürfte der ein oder andere money shot entstanden sein. Das finden wir bloß erst nach der Reise heraus, weil meine Kamera, die kleine Mimose, nach zwei Stunden in der Kälte schlappgemacht hat.

(Einschub von einige-Stunden-später-Kerstin: Die Kamera ist jetzt wieder auf Zimmertemperatur und ich konnte die Bilder doch noch übertragen. Enjoy!)

Den Rest des Tages habe ich, ein bisschen durchgefroren, in der Innenstadt von Reykjavík verbracht. Neben den immer gleichen Touristenläden gab es da auch einige süße Geschäfte mit handgemachter Keramik. Leider sind die Preise hier wirklich sehr viel höher als gewohnt und da ich keine kaputte Keramik im Handgepäck riskieren will, habe ich (fast) nur ein paar kleine, flache Souvenirs mitgenommen. 

Irgendjemanden von euch holt das hier bestimmt ab, oder?

So richtig in Stimmung für Shoppen war ich aber heute nicht, weshalb ein paar Sehenswürdigkeiten als des Sehens würdig erachtet wurden. Erst ging es in die Hallgrímskirkja, die man schon von Weitem sehen kann. Leider erfüllt diese Kirche – und ich bin da selbsternannte Expertin – nicht alle Merkmale für eine gute Kirche. Drinnen war es ziemlich warm, was nicht unbedingt schlecht ist, aber unerwartet. Ich finde, Kircheninnenräume sollten in einem vernünftigen Verhältnis zur Außentemperatur stehen. Viel mehr gestört hat mich aber, dass die übliche andächtige Stimmung gefehlt hat. Die Leute haben sich in völlig normaler Lautstärke unterhalten und das entzieht so einem Gebäude leider den Zauber.

Natürlich gab es eine Aussichtsplattform

Aus ästhetischer Sicht gefällt sie mir trotzdem gut und erinnert ein bisschen an Grundtvigs Kirke in Kopenhagen (vielleicht erinnert ihr euch). Nur ist Grundtvigs Kirke halt eine der schönsten Kirchen jemals und da kann Hallgrímskirkja leider nicht mithalten.

Ja, ich habe es wirklich geschafft, einen Finger ins Foto zu halten

Woran ihr euch vielleicht auch erinnern könnt, ist meine Begeisterung über dänische Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Gute Nachrichten: Die hatten sie hier auch. Also zumindest einen, und er war Isländer, aber you know. Einar Jónsson hieß der. Der gute Einar war sowohl der erste isländische Bildhauer, dessen Skulpturen öffentlich ausgestellt wurden, als auch der Grund für das erste isländische Kunstmuseum (also sein eigenes). 

So, genug Kultur für heute. Den Sonnenuntergang habe ich am Leuchtturm von Reykjavík angeschaut, da waren ungefähr zehnmal so viele Schwäne wie Menschen. Die habe ich aber nicht fotografiert, sondern bin ohne Augenkontakt so schnell wie möglich dran vorbei gelaufen. Mit den Dingern ist nicht zu spaßen. Und vor allem wollte ich meine Handschuhe nicht ausziehen.

Weil ihr so brav gewartet habt, bekommt ihr jetzt auch euer Sommerhaus. Aber Vorsicht: Es ist ziemlich unspektakulär.

Kommentar

  1. Avatar von

    Zumindest Einar der Künstler hat dir gefallen. Badumpts.
    Der heilige Geist hat Fußbodenheizung verlegt. 10/10 ⛪️

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