Ich packe meinen Koffer. Mein Koffer ist eine Reisetasche. Ich fliege für vier Nächte nach Island – nur mit Handgepäck, denn da drüben wird es wohl noch teuer genug.

Los ging es von Amsterdam Schiphol (AMS) nach Keflavík (KEF). Warum Amsterdam, fragt ihr euch? Nun, die Anreise war trotz niederländischer Autofahrer um Welten entspannter als alles, was ich bisher Richtung Düsseldorf erlebt habe, und außerdem haben sie mir einen Direktflug zu einem sehr akzeptablen Preis gegeben.
Was die niederländischen Autobahnen angeht, habe ich jetzt starke Meinungen. Es ist zwar angenehm, dass alle ungefähr gleich schnell fahren, aber irgendwie möchte auch niemand wahrhaben, dass alle ungefähr gleich schnell fahren. Also passieren viele wilde Spurwechselmanöver (Überholmanöver kann man das ja nicht nennen) und ich sehnte mich auf einmal nach einer vernünftigen Landstraße. Rettungsgasse können sie hier übrigens auch nicht gut. Was den einen Motorradfahrer nicht davon abgehalten hat, sie trotzdem zu benutzen.

In Amsterdam habe ich dann festgestellt, dass Flughafen ohne Aufgabegepäck absolut free ist. What do you mean, ich muss einmal meine Bordkarte einscannen und das war‘s? Nichts ausdrucken, aufkleben, abgeben? Nichtmal ein Polizist, der meine Identität anzweifelt? Schwach.



Beim Mietwagen wurde es dann noch abenteuerlich. Der Verleih bietet nämlich einen Shuttle-Service an und ich habe auch relativ schnell meine Ansprechpartnerin gefunden. Die hat mich gebeten, kurz zu warten, und ist direkt wieder weggerannt. Aus kurz wurden 20 Minuten und ich immer nervöser, irgendwas falsch verstanden zu haben. Bis die ersten Deutschen auftauchten, und dann die nächsten Deutschen. Wo eine Gruppe von Deutschen zusammen wartet, kann man nicht allzu falsch sein.
Aus 20 Minuten wurden 50, bevor sie uns schließlich eingesammelt haben. Und meine Hoffnung auf einen netten Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang schwand dahin. Den bekam ich dafür mit einem großartigen Landschaftspanorama auf meiner halbstündigen Autofahrt zum Airbnb – Stichwort „vernünftige Landstraße“.

Doch dann kam es, wie es kommen musste: Einige Kilometer vor Hafnarfjörður machte es „ding“ und auf einmal leuchtete die Warnleuchte für den Reifendruck. Leider rot, nicht gelb. Nach einem wenig hilfreichen Telefonat mit der Autovermietung bin ich zur nächsten Tankstelle gefahren und habe diesen absoluten Engel eines Mitarbeiters angetroffen:

Der hat mir die Verzweiflung wohl angesehen, den Reifendruck kontrolliert und auch sofort wieder in Ordnung gebracht. Kostenlos. Und sich währenddessen auch noch sehr bemüht in gebrochenem Englisch mit mir unterhalten. Kinder, was war ich erleichtert.
Nach der Aufregung gab es ein pädagogisch wertvolles Abendessen aus Grilled Cheese und heißer Schokolade sowie einen Spaziergang durch Hafnarfjörður.

Die Häuser hier sind sehr niedlich und Lichterketten scheinen eine Auflage des Bauamts zu sein. Ich bin jetzt schon ein bisschen verliebt in Island, obwohl sich jeder Blick in die Landschaft noch sehr surreal anfühlt. Schauen wir mal, was morgen wird.




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